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Geschichte der Mehrwertsteuer in Deutschland

Die Geschichte der MwSt in Deutschland in fünf Etappen: 1968 Start mit 10%, 1979 13%, 1998 16%, 2007 19%, 2020 temporäre Senkung.

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Von Jan-Tristan Rudat

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Wichtiger Hinweis: Keine Steuer- oder Rechtsberatung. Bei konkreten Umsatzsteuer-Fragen Steuerberater oder zuständiges Finanzamt konsultieren.
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1968: der Start mit 10 Prozent

Die Mehrwertsteuer wurde in Deutschland am 1. Januar 1968 eingeführt. Sie ersetzte die Allphasen-Brutto-Umsatzsteuer (Kaskaden-System), die seit 1918 in Kraft war und auf jeder Handelsstufe gleich besteuert hatte - was zu Doppelbesteuerung geführt hatte.

Der erste Satz: 10 Prozent Regelsteuersatz, 5 Prozent ermäßigt. Mit der MwSt wurde der Vorsteuerabzug eingeführt - jede Stufe zahlt nur auf ihren Mehrwert. Das System entstammt einer französischen Erfindung von 1954 (Maurice Laure).

Etappen der Erhöhung

JahrRegelsteuersatzErmäßigtAnlass
196810%5%Einführung MwSt
197812%6%Erste Erhöhung
197913%6,5%Erhöhung
198314%7%Erhöhung
199315%7%Erhöhung (Solidarpakt Ost)
199816%7%Erhöhung (Steuerreform)
200719%7%Drei-Punkte-Erhöhung (Bundeshaushalt)
2020 H216%5%Corona-Senkung temporär
2021-heute19%7%Rückkehr Regelsatz

Die jüngste reguläre Erhöhung war 2007 von 16 auf 19 Prozent - die größte Steuererhöhung der Nachkriegszeit. Begründung: Konsolidierung des Bundeshaushalts und teilweise Gegenfinanzierung der Lohnnebenkosten-Senkung.

Die Corona-Senkung 2020

Vom 1. Juli bis 31. Dezember 2020 senkte die Bundesregierung den Regelsatz auf 16 Prozent und den ermäßigten Satz auf 5 Prozent. Konjunkturpaket Corona. Begründung: Stimulanz für den Privatkonsum während des ersten Lockdowns.

Die wirtschaftliche Wirkung war umstritten:

  • Einzelhandel und Gastronomie gaben die Senkung an Endverbraucher weitgehend weiter
  • Online-Versandhaendel nutzten oft Spielraum zur Margenerhöhung
  • Hochpreisige Branchen (Auto, Möbel) sahen kurzfristige Umsatzschübe
  • Kosten für den Staat: rund 20 Milliarden Euro

Die akademische Bewertung: positive Konjunkturwirkung von rund 0,4 Prozent BIP-Wachstum bei Kosten von 0,7 Prozent BIP. Ineffizient, aber damals politisch alternativlos.

Restaurant-Sonderregelung 2020-2023

Parallel zur allgemeinen Corona-Senkung galt im Gastgewerbe ab 1. Juli 2020 der ermäßigte 7-Prozent-Satz auch für Speisen vor Ort (statt 19%). Verlängert mehrfach, ausgelaufen am 31.12.2023. Getränke blieben durchgehend bei 19 Prozent.

Der Gastronomieverband DEHOGA forderte eine dauerhafte Beibehaltung. Politisch durchgesetzt hat sich aber die Rückkehr zum Standardsatz - das war Teil des Wachstumschancengesetzes 2024.

eBooks-Reform 2019

Ab Dezember 2019 wurden eBooks, digitale Zeitungen und Audiobooks auf den ermäßigten 7-Prozent-Satz heruntergesetzt (von 19 Prozent). Hintergrund: EU-Richtlinie 2018/1713, die digitale Aequivalente von gedruckten Büchern in den ermäßigten Satz lassen wollte.

Davon profitiert haben besonders Audible (Amazon), Buchhandlungen mit Online-Filialen und Periodika-Verlage. Streaming-Dienste für Musik (Spotify, Apple Music) blieben bei 19 Prozent, da sie als reine Dienstleistung gelten.

Was steht an?

Politisch diskutierte Themen 2026:

  • EU-Harmonisierung bleibt Thema, keine kurzfristige Aenderung erwartet
  • e-Rechnungs-Pflicht im B2B ist ab 2025 schrittweise in Kraft (ZUGFeRD/XRechnung)
  • ViDA-Paket 2025/2030 der EU-Kommission: Echtzeit-Meldungen, MwSt-Compliance-Automatisierung
  • Sondersätze für Klimaschutz: erste Pilotprojekte in Frankreich (reduzierter Satz auf Repair-Services)

Eine Erhöhung des Regelsatzes über 19 Prozent ist politisch kaum kommunizierbar. Wahrscheinlicher sind Verbreiterung der Bemessungsgrundlage (weniger Ausnahmen) oder eine Erhöhung des ermäßigten Satzes.

Quellen

  • Bundesfinanzministerium: Historie der USt-Sätze
  • Statistisches Bundesamt: USt-Aufkommen 1968-2025
  • EU-Kommission Taxes in Europe Database

Häufige Fragen

Was Leserinnen und Leser sonst noch fragen

Seit wann gibt es die MwSt in Deutschland?
Eingeführt am 1. Januar 1968. Vorher gab es die Allphasen-Brutto-Umsatzsteuer (Kaskaden-System). Mit der MwSt wurde der Vorsteuerabzug eingeführt.
Wann wurde der Satz erhöht?
1968: 10% Start. 1979: 13%. 1983: 14%. 1993: 15%. 1998: 16%. Letzte Erhöhung 2007 von 16% auf 19% (Bundeshaushalt + Senkung Lohnnebenkosten).
Was war die Corona-Senkung?
01.07.-31.12.2020: temporäre Senkung 19% auf 16% und 7% auf 5%. Konjunkturpaket Corona. Wirtschaftliche Auswirkung umstritten, Verbraucher haben teils nicht profitiert.
Wann der ermäßigte 7%-Satz auf eBooks?
Dezember 2019. Davor 19% (wie Software). Anpassung an EU-Richtlinie 2018/1713, die digitale Aequivalente von gedruckten Büchern erlaubt.
Wird die MwSt steigen?
Politisch wenig wahrscheinlich kurzfristig. Reformdiskussionen drehen sich um EU-Harmonisierung, nicht um Satzerhöhung. Inflationsbedingt indirekt stärker als Lohnsteigerungen.

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