Ratgeber · Kalorien-Mathematik 2026
Geschichte der Mehrwertsteuer in Deutschland
Die Geschichte der MwSt in Deutschland in fünf Etappen: 1968 Start mit 10%, 1979 13%, 1998 16%, 2007 19%, 2020 temporäre Senkung.
1968: der Start mit 10 Prozent
Die Mehrwertsteuer wurde in Deutschland am 1. Januar 1968 eingeführt. Sie ersetzte die Allphasen-Brutto-Umsatzsteuer (Kaskaden-System), die seit 1918 in Kraft war und auf jeder Handelsstufe gleich besteuert hatte - was zu Doppelbesteuerung geführt hatte.
Der erste Satz: 10 Prozent Regelsteuersatz, 5 Prozent ermäßigt. Mit der MwSt wurde der Vorsteuerabzug eingeführt - jede Stufe zahlt nur auf ihren Mehrwert. Das System entstammt einer französischen Erfindung von 1954 (Maurice Laure).
Etappen der Erhöhung
| Jahr | Regelsteuersatz | Ermäßigt | Anlass |
|---|---|---|---|
| 1968 | 10% | 5% | Einführung MwSt |
| 1978 | 12% | 6% | Erste Erhöhung |
| 1979 | 13% | 6,5% | Erhöhung |
| 1983 | 14% | 7% | Erhöhung |
| 1993 | 15% | 7% | Erhöhung (Solidarpakt Ost) |
| 1998 | 16% | 7% | Erhöhung (Steuerreform) |
| 2007 | 19% | 7% | Drei-Punkte-Erhöhung (Bundeshaushalt) |
| 2020 H2 | 16% | 5% | Corona-Senkung temporär |
| 2021-heute | 19% | 7% | Rückkehr Regelsatz |
Die jüngste reguläre Erhöhung war 2007 von 16 auf 19 Prozent - die größte Steuererhöhung der Nachkriegszeit. Begründung: Konsolidierung des Bundeshaushalts und teilweise Gegenfinanzierung der Lohnnebenkosten-Senkung.
Die Corona-Senkung 2020
Vom 1. Juli bis 31. Dezember 2020 senkte die Bundesregierung den Regelsatz auf 16 Prozent und den ermäßigten Satz auf 5 Prozent. Konjunkturpaket Corona. Begründung: Stimulanz für den Privatkonsum während des ersten Lockdowns.
Die wirtschaftliche Wirkung war umstritten:
- Einzelhandel und Gastronomie gaben die Senkung an Endverbraucher weitgehend weiter
- Online-Versandhaendel nutzten oft Spielraum zur Margenerhöhung
- Hochpreisige Branchen (Auto, Möbel) sahen kurzfristige Umsatzschübe
- Kosten für den Staat: rund 20 Milliarden Euro
Die akademische Bewertung: positive Konjunkturwirkung von rund 0,4 Prozent BIP-Wachstum bei Kosten von 0,7 Prozent BIP. Ineffizient, aber damals politisch alternativlos.
Restaurant-Sonderregelung 2020-2023
Parallel zur allgemeinen Corona-Senkung galt im Gastgewerbe ab 1. Juli 2020 der ermäßigte 7-Prozent-Satz auch für Speisen vor Ort (statt 19%). Verlängert mehrfach, ausgelaufen am 31.12.2023. Getränke blieben durchgehend bei 19 Prozent.
Der Gastronomieverband DEHOGA forderte eine dauerhafte Beibehaltung. Politisch durchgesetzt hat sich aber die Rückkehr zum Standardsatz - das war Teil des Wachstumschancengesetzes 2024.
eBooks-Reform 2019
Ab Dezember 2019 wurden eBooks, digitale Zeitungen und Audiobooks auf den ermäßigten 7-Prozent-Satz heruntergesetzt (von 19 Prozent). Hintergrund: EU-Richtlinie 2018/1713, die digitale Aequivalente von gedruckten Büchern in den ermäßigten Satz lassen wollte.
Davon profitiert haben besonders Audible (Amazon), Buchhandlungen mit Online-Filialen und Periodika-Verlage. Streaming-Dienste für Musik (Spotify, Apple Music) blieben bei 19 Prozent, da sie als reine Dienstleistung gelten.
Was steht an?
Politisch diskutierte Themen 2026:
- EU-Harmonisierung bleibt Thema, keine kurzfristige Aenderung erwartet
- e-Rechnungs-Pflicht im B2B ist ab 2025 schrittweise in Kraft (ZUGFeRD/XRechnung)
- ViDA-Paket 2025/2030 der EU-Kommission: Echtzeit-Meldungen, MwSt-Compliance-Automatisierung
- Sondersätze für Klimaschutz: erste Pilotprojekte in Frankreich (reduzierter Satz auf Repair-Services)
Eine Erhöhung des Regelsatzes über 19 Prozent ist politisch kaum kommunizierbar. Wahrscheinlicher sind Verbreiterung der Bemessungsgrundlage (weniger Ausnahmen) oder eine Erhöhung des ermäßigten Satzes.
Quellen
- Bundesfinanzministerium: Historie der USt-Sätze
- Statistisches Bundesamt: USt-Aufkommen 1968-2025
- EU-Kommission Taxes in Europe Database
Häufige Fragen